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Sonntag, 24. September 2017 - 10:30 Uhr

Arctic Summer Feeling.......( Teil 5 )......

 

.......oder  "Martini on Gletschereis"

 

 

An diesem Morgen kamen wir etwas flotter in die Gänge.......denn bereits nach dem Frühstück sollten die ersten Gruppen zu ihren Ausflügen aufgerufen werden. Allerdings, ein kurzer Rundgang um das Schiff musste noch vor dem Frühstück sein, um einen kurzen Blick auf die heutige Umgebung zu werfen.

Die FRAM dümpelte bereits vor dem kleinen Örtchen Qassiarsuk, welches allerdings zu diesem Zeitpunkt noch von Nebelschwaden gut eingepackt war und man daher nicht gerade viel zu Entdecken hatte.

Immerhin war unser Expeditionsteam schon mal fleissig am Vorbereiten und mit dem ersten Tenderboot unterwegs in Richtung Ufer.

 

blickte man nach Backbord.......hingen die Wolken ziemlich tief.... 

 

Kurz zu Qassiarsuk - dieser kleine Ort ist deswegen bekannt, weil hier an dieser idyllischen Stelle einst (so um das Jahr 985) "Erik der Rote" (ein norwegisch-isländischer Seefahrer) die Idee hatte die erste skandinavische Siedlung Grönlands zu errichten. In den grünen Hügeln, die den Ort umgeben, steht eine riesige Statue die wiederum Leif Eriksson darstellen soll - einer von seinen Söhnen. Und dieser Leif soll ja nicht ganz unschuldig an der Entdeckung Amerikas sein.........so sagt man sich.....

Was aber noch unbedingt erwähnenswert ist.....es gibt hier so gut wie keine Mücken !  Und warum ?  Weil diese kleinen blutrünstigen Biester keinen Schafdung mögen. Und diesen gibt es hier nämlich (also aufpassen wo man hintritt) , da Qassiarsuk einer der wenigen Orte Grönlands ist, wo Schafzucht betrieben wird. Somit war also heute schon mal ein Spaziergang "ohne Betreuung" garantiert......grins

 

blickte man nach Steuerbord.....war die Sicht schon etwas besser

 

 

   

Doch so weit so gut.........zurück zu unseren Plänen.

Wir hatten uns erstmal für die Bootstour zu einem nahegelegenen Gletscher entschieden und wurden auch schon bald - diesmal von richtigen Ausflugsbooten aus Qassiarsuk - abgeholt und in den Qooroq Fjord gebracht, wo dann auch der gleichnamige Gletscher in der Ferne zu bewundern war. Kaum bogen wir mit den Booten in diesen Fjord ein, waren wir auch schon von einigen Eisbergen umgeben.

 

 

 

 

 

Und sogleich war ich wieder fasziniert von den verschiedenen Farbnuancen die immer wieder zu Entdecken waren. Manche Eisberge waren einfach nur weiß, manche grau angehaucht oder gar gestreift, und einige leuchteten in den verschiedensten Blautönen......vor allem als später die Sonne auch rauskam und so manchen Eisklumpen zum Leuchten brachte, wirkte es fast schon etwas kitschig.

 

 

 

 

 ein Seeadler der seine Runden zog.....

 

Je näher man dem Qooroq Gletscher kam umso mehr Eis schwamm um das Boot rum und schließlich stoppten wir einfach und ließen uns nur noch treiben. Und es war eine herrliche Stimmung über dem Fjord !  Es war fast still, man hörte nur ab und zu leises Knacken welches von den Eisbergen kam oder ein paar Vögel flatterten über uns hinweg, der Wolkenvorhang stieg immer weiter in die Höhe und so nach und nach kamen immer mehr Sonnenstrahlen zum Vorschein.

 

 

Unser Guide (eine junge, sehr freundliche Inuit-Dame) stellte dann irgendwann die Frage, ob wir uns denn vorstellen könnten wie weit es noch bis zur Gletscherkante sei ?  Und die meisten waren sich einig, daß es sich vielleicht so um die 2-3 Kilometer handeln könnte......doch weit daneben ! Es waren vom Boot bis zum Gletscher tatsächlich noch 16 km !!  Nur aufgrund der klaren Luft in diesen Gegenden kann man sich also bezüglich der Entfernung so täuschen.

 

 

 

 

 

 

 

Schließlich wurde auch noch extra für die Touristen etwas Eis abgekratzt um dann einen "Martini on Gletschereis" servieren zu können (der arme Eisberg..........aber es waren zum Glück viele Eisberge um uns rum, so daß mein schlechtes Gewissen nicht mehr ganz so groß war - trotzdem hätte man auf diese Eiswürfel verzichten können).

 

 

 

 

Zurück vom Ausflug tauschten wir nur kurz unseren fahrbaren Untersatz........vom Ausflugsboot ging's sogleich rüber ins Tenderboot und wir tuckerten noch ans Land um Qassiarsuk zu besuchen. Die Zeit reichte immerhin noch für einen gemütlichen Spaziergang durch den kleinen Ort, ein kurzes Posieren vor der großen Statue damit Mamsen auch ja ein Erinnerungsbild bekommt, sowie einen Besuch in einem grönländischen Tante-Emma-Laden wo es sogar Gläser mit Meica-Würstchen gab.

 

 

 

der Pfad hoch in die Hügel.....

 

 ....wo Leif Eriksson ganz gebannt nach Nordamerika guckt

 

 Qassiarsuk ist ziemlich überschaubar ;-)

 

 

 jedenfalls kann ich bestätigen, daß es auch in Grönland ein Meer von Blumen gibt

 

 

unser Florian guckte natürlich wieder "hinter die Kulissen"

 

 

 

 

Und kurz bevor Kapitän Ole den Anker lichten ließ waren wir auch wieder zurück an Bord und genehmigten uns erstmal ein verspätetes Mittagessen.

 

Übrigens kam bereits beim Auslaufen eine Durchsage, daß man denn gegen Abend mit stürmischer See zu rechnen hätte. Kurz habe ich dann auch an die Reisetabletten gedacht, denn unser Flori hatte schon mal auf einem kleinen Whale-Watching-Dampfer so seine Probleme.......aber andererseits schwirrte da ein Satz durch meine Gedanken von wegen "auf einem Kreuzfahrtschiff wird doch keiner von uns seekrank" ! Nun ja.....hätt ich mal auf die Tabletten bestanden.....

Als wir uns gegen Abend dem offenen  Meer wieder näherten konnte man schon etwas mehr Seegang spüren. Einige Zeit ging's noch gut, aber irgendwann kam Flori doch an und meinte, daß ihm nun schlecht sei. Auch der Weltbeste wurde immer stiller (also noch stiller als er sonst eh schon ist.......zwinker) und als das Schiff dann nur noch wild durchgeschaukelt wurde einigten wir uns darauf, das Abendessen ausfallen zu lassen und lieber gleich in die Kojen zu kriechen. Mir persönlich war zwar nicht direkt schlecht, aber etwas komisch dann doch.....(irgendwie schlecht zu beschreiben).

Flori und Michi bekamen von mir noch Reisetabletten verabreicht (zum Glück wirkten die innerhalb weniger Stunden) und ich selbst habe mal so Ingwertabletten probiert und so sind wir schließlich in unsere Kojen gekrochen und haben uns brav auf die Seite gelegt, so wie es Kapitän Morten Hansen immer empfiehlt (der ein oder andere kennt ihn ja vielleicht aus der bekannten Kreuzfahrt-Doku). Und ob's nun Einbildung war oder nicht......in der Seitenlage ging es mir tatsächlich wieder gut.

Der Einzige der diese Berg- und Talfahrt so richtig genossen hat war unser Felix ! Er saß noch eine Weile auf seinem Lieblingsplatz über dem Bug und sah zu wie die Wellen über das Schiff bis hoch zum Panoramadeck spritzten......und hatte seinen Spaß dabei !

Aber diese Ecke, also rund um das Südkap von Grönland ist wohl bekannt für ihre stürmische See. Und bereits im Laufe der Nacht hat es etwas abgeflaut, so daß alle ihren wohlverdienten Schlaf fanden.

 

Für eine Dame jedoch war die Nacht wohl nicht so dolle, nämich die ältere Frau die von uns bereits den Spitznamen "der schlimme Finger" erhalten hatte. Ihr erinnert Euch vielleicht.....sie hatte mit ihrem Finger bereits am Flughafen schon heftig vor uns rumgefuchtelt und uns zurechtgewiesen......doch nun wurde ihr Daumen verletzt. Bei dem starken Seegang hatte sie ihren Daumen nicht rechtzeitig aus einer zufallenden Tür bekommen. Sie wurde zwar gleich ärztlich betreut, da sie aber seitdem mit dick verbundenen und immer hoch erhobenen Daumen durch die Gegend lief, passte ihr Spitzname nun umso besser. Aber die Schmerzen die sie hatte waren sicherlich nicht angenehm........und trotz ihres Auftreten, welches mich immer wieder an einen General erinnerte, sie tat mir nun schon auch leid.

 

Doch  nun.......bis zum nächsten Mal !

 

 im Laufe des Nachmittages zog sich die Wolkendecke wieder zu......

 

 ....und auf dem offenen Meer herrschte wieder dicke Nebelsuppe 


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