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Dienstag, 31. Oktober 2017 - 20:50 Uhr

Arctic Summer Feeling.......( Teil 9.1 )......

 

...... oder   "auch Norwegen hat einen Vulkan"

 

 

 da wo Båtvika steht sind wir an Land gegangen

 

 

Nach dem etwas grauen Wetter vom Vortag waren wir ja ein klein bisschen skeptisch was uns der neue Tag bringen würde. Für heute stand ein Besuch auf der Insel Jan-Mayen auf dem Plan.........und diese Insel - mitten in der rauen Grönlandsee - ist bekannt dafür, daß hier gerne mal der Sturm um die Ecken pfeift und man vor lauter tiefergelegten Wolken auch nicht viel zu sehen bekommt.

Und wenn man hier einen Besuch plant sollte man also auch auf Enttäuschungen vorbereitet sein, denn sind die Wellen zu hoch so ist kein Tendern möglich. Daher waren alle Passagiere auch schon mehr als neugierig, ob es denn nun mit dem geplanten Ausflug klappen würde.

 

Noch vor dem Frühstück mussten wir also unbedingt einen Blick riskieren und sind kurz raus an die Reling.......und wir wurden nicht enttäuscht !  freu....

Die Insel lag zwar noch im Morgengrauen vor uns, doch die See war einigermaßen friedlich und die Spitze des Beerenberg (Norwegen's einzigster Vulkan) zeigte sich noch in eine Wolke gehüllt. Aber wir haben uns sagen lassen, daß er dies gerne einen Großteil des Jahres tut und sein Haupt einfach nicht gerne der Öffentlichkeit präsentiert.

 

 

Wir konnten uns also erstmal beruhigt dem Frühstücksbuffet widmen und mit unserer Vorfreude schmeckte es gleich nochmal so gut. Vorfreude auch deswegen, weil wir nicht nur eine Insel besuchen würden wo man ja sonst vermutlich NIE im Leben hinkommt, sondern unsere Jungs durften sich nach viiieeelen Tagen absoluter Angelabstinenz endlich wieder ihrem heissgeliebten Hobby widmen. Als nämlich bekannt wurde, daß man nach Möglichkeit irgendwann und irgendwo während der Kreuzfahrt mal eine Angeltour anbieten würde, hat Mamsen gleich in weiser Voraussicht die Anmeldeformulare ausgefüllt (schließlich muß man den Nachwuchs ja bei Laune halten.....zwinker). Und heute sollte dieser Ausflug stattfinden !

Da nun wohl ein paar Leute mehr am Angelsport interessiert waren wurden die Teilnehmer in zwei Gruppen eingeteilt, so daß die einen am Vormittag zum Fischfang aufbrachen und die anderen (nämlich wir) am Nachmittag.

Somit hatten wir also vorher noch Zeit die Insel zu erkunden.

 

mittlerweile lag die MS FRAM in der Bucht Båtvika vor Anker....

 

.....und Mamsen war sogleich begeistert von der kargen, aber faszinierenden Natur

 

der Beerenberg hüllte sich gerade wieder in Wolken ein

 

 

der erste Blick auf die Forschungsstation

 

Zuerst kam allerdings der Stationsleiter von Jan-Mayen auf das Schiff um den Passagieren ein paar Instruktionen mit auf den Weg zu geben wie sie sich auf der Insel zu verhalten haben. Z.B. ja keine Antennen anfassen (und davon stehen dort wirklich sehr viele rum), nicht von den Wegen abkommen....usw.)

Jan-Mayen ist ja eigentlich eine unbewohnte Insel, die aber für die Forschung genutzt wird und daher kann man auch in der dazugehörigen Forschungsstation immer ein paar Leute antreffen. Die Zahl variiert oft zwischen 15-20.......mal sind ein paar Forscher mehr da, mal ein paar weniger.

Auf der Insel können einem also Meteorologen über den Weg laufen, sowie Geologen, Ornithologen, und was weiß ich noch für .....logen, sowie ein paar Leute vom Militär. Und alle betreiben hier fleissig Forschung, doch was die Jan-Mayen-Bewohner selbst von ihrer Forschung halten........kann man auf einem Schild am Haupteingang lesen, ich übersetze mal:

 

Theorie ist, wenn man alles verseht - aber nichts funktioniert.

Praxis ist, wenn alles funktioniert - aber keiner versteht warum.

Hier auf dieser Station vereinen wir Theorie und Praxis,

so daß nichts funktioniert und keiner versteht warum.

 

 

Die komplette Insel steht übrigens unter Naturschutz doch zum Glück für uns hat aber Hurtigruten eine Sondererlaubnis, was uns wiederum nun einen herrlichen Tag bescherte. 

Am Vormittag ließen wir uns also zum Strand rübertendern und spazierten Richtung Forschungsstation.......es ging über schwarzen Lavasand, vorbei an abstrakten Felsformationen, vielen giftgrünen Moosfeldern und unterschiedlichsten Flechten und tatsächlich sogar an einigen hartnäckigen, Wind und Wetter trotzenden Blümchen. Die Sonne kam mittlerweile immer öfter zum Vorschein, Wind ging auch fast keiner und die See vor der Küste schimmerte teilweise spiegelglatt. Welch ein Glück wir doch hatten.....

 

mit dem Tenderboot ging's rüber

 

 

 

 

 

unglaublich, wo sich die Blümchen ihren Platz zum Leben suchen....

 

 

 

auf dem Weg zur Station

 

und schon wieder Touristen......grins

 

In der Station durften wir uns dann etwas umsehen und feststellen, daß es sich die Leute hier gutgehen lassen. Alles Wichtige für die Freizeit ist vorhanden, wie z.B. Billard, Tischtennis, Bar, Fernsehraum, Fitnessraum und sogar ein kleiner Pool mit dem netten Namen "Playa del Alge". Und auch ein winziger Souvenirshop für den Fall, daß doch mal ein paar Touris vorbeikommen und Postkarten oder gar ein T-Shirt wollen (denn wer kann schon sagen, daß er eine Postkarte von Jan-Mayen hat). Und überall findet man Vitrinen mit allerlei antiken Gegenständen die vom früheren Inselleben erzählen.......also fast schon wie im Museum.

 

               

hier die Bar und Aufenthaltsraum

 

Kaffee und Kekse wurden uns auch serviert und nach unserer Besichtigungstour trafen wir vor dem Eingang noch auf den "Häuptling" (er nennt sich selbst so), also den Leiter der Station, und kamen noch ins Gespräch mit ihm. Und neugierig wie wir nun mal sind, haben wir ihm allerhand Fragen gestellt.

 

in der Mitte mit Hut - der Høvding (Häuptling) von Jan-Mayen

 

Anschl. wanderten wir noch bisschen rum und da kam mir dann auch die Dame "schlimmer Finger" entgegen und als ich sie grüsste und meinte, daß es doch ganz schön warm hier auf der Insel sei (ich kam nämlich mit meiner Windjacke mittlerweile schon ins Schwitzen).......da guckte sie mich äusserst kritisch an und meinte "sie können ja doch sprechen".

Nun war ich perplex !  Sie hatte dies mal wieder in einem Ton erwähnt der jedem General Ehre gemacht hätte und ich war so überrascht über diese Aussage, daß ich momentan gar nicht wusste was ich sagen sollte und auch gleich krampfhaft nach einem Grund gesucht habe der ihr mürrisches Verhalten ausgelöst haben könnte (obwohl ich mir eigentlich keiner Schuld bewusst war).

Ich habe mich zwar wirklich nie großartig mit ihr unterhalten (eben wegen ihres "netten" Tonfalles), aber immerhin fleissig gegrüsst und mich freundlicherweise sogar mal nach dem Befinden ihres lädierten Daumen erkundigt.

Jedenfalls kam nun gleich noch eine Bemerkung hinterher......sie meinte nämlich auch noch, daß man von meinen Kindern auch keinen Ton hören würde und mein Mann wohl überhaupt nichts zu sagen hätte. Wie auch immer sie das nun gemeint hat..........

Ich bin nun einfach mal nicht auf ihre seltsamen Bemerkungen eingegangen und hab mich schnell nach ihrem Befinden erkundigt. Da wurde ihr Ton gleich etwas freundlicher.......

Ich vermute einfach mal stark, daß die Gute nur einsam ist und gerne jemanden zum Plaudern gehabt hätte. Denn wenn man sie während der Reise so beobachtet hat konnte man feststellen, daß sie gerne von Tisch zu Tisch gewandert ist, sich mal hier und mal dort einfach dazugesetzt hatte, gerade so als ob sie Anschluß suchen würde. Ich hoffe für sie, daß ihr die Reise - trotz der Sache mit dem Daumen - auch Spaß gemacht hat.

 

So Leute, ich schweife hier schon wieder ganz dolle ab und texte Euch mit nebensächlichen Ereignissen zu. Also zurück zum Geschehen.

Wieder auf der MS FRAM eingetroffen, stürmten wir - wie könnte es auch anders sein - das Mittagsbuffet. Reisen macht irgendwie extrem hungrig.......und Mamsen's Reichtum an Hüftgold stieg in unbekannte Höhen......

 

Und hier meine Lieben - machen wir mal kurz Pause. Ich hab natürlich noch viel von dieser schönen Insel zu berichten, aber die Fortsetzung folgt ein anderes Mal.........das würde nun zu viel werden.

 

 


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